Venedig in Schloß Neuhaus oder: Wenn das Gute liegt so nahe…
Sozialpädagogischer Kulturtag von 22 Kooperativen Reha-Auszubildenden des Kolping Berufsförderungszentrum Paderborn/Höxter am Schloss und Barockgarten in Schloß Neuhaus mit Besuch der Venedig-Bilder-Ausstellung in der Reithalle und anschließendem gemeinsamen Mittagessen in der Remise war ein gelungenes Erlebnis für alle Beteiligten.
Am 22. Juni 2011 führten die Fördergruppen der Ausbildungsbegleiterinnen Frau Sabine Vogel und Frau Jutta Wulf im Rahmen der Kooperativen Reha-Ausbildung ihren Kulturtag durch. Begleitet wurden sie von der Lehrgangsleiterassistentin Frau Angelika Michaelis.
An der rückwärtigen Schlossfassade waren die Renaissance-Merkmale deutlich zu erkennen. Die überwiegende Mehrheit der Auszubildenden organisierte selber die Anreise nach Schloß Neuhaus, wo um 10.00 Uhr der Treffpunkt in der Gartenanlage des Schlosses ausgemacht war.
Als Fachkräfte interessierten sich die insgesamt sechs anwesenden Gartenbaufachwerker ganz besonders für den Barockgarten des Schlosses, der durch seine durch Buxus eingefassten, streng symmetrisch angelegten Beete und durch seine vielfältige, bunte Blütenpracht allen ins Auge fiel.
In der barocken Gartenanlage warten die Auszubildenden auf den Start des Kulturtags.
Frau Wulf nahm dies sogleich auch zum Anlass, den Jugendlichen anhand der Gartenanlage die unterschiedlichen Merkmale des Barock und am Beispiel des Schlosses die Kennzeichen der Renaissance, speziell der sog. Weserrenaissance zu erläutern. So nahmen die Auszubildenden das Schloss in seiner Vierflügeligkeit, in seiner rhythmisch durch Fensterreihen aufgegliederten Mehrgeschossigkeit und mit den erstmals auftauchenden Erkern im Dachgeschoss genau und bewusst wahr.
Konzentriert hörten die Auszubildenden die Erklärungen von Frau Wulf zur venezianischen Malerei.
Ab 11.00 Uhr führte Frau Wulf die Auszubildenden dann durch die Ausstellung „Venedig-Bilder in der deutschen Kunst des 19. Jahrhunderts“ in der Reithalle, wo sie den Auszubildenden an exemplarischen Bildern die grundlegenden Darstellungsweisen und Intentionen der venezianischen Malerei dieser Zeit erklärte. Den interessierten Zuhörern und Zusehern wurde vermittelt, dass es Bilder gibt, in denen quasi als „ pictura maggiore“ der Glaube und die Werte der Stadt Venedig allegorisch und repräsentativ dargestellt werden. Zugleich gibt es aber auch als Pendant die „pictura minore“, die es sich zur Aufgabe macht, das Alltagsleben in den Kanälen und Winkeln von Venedig als Stadt zwischen Meer und Himmel darzustellen. Die besonderen Lichtverhältnisse führten dabei zu Bildmotiven von besonderer Magie und wurden von den verschiedenen Künstlern zu Bildern von hoher Qualität umgesetzt. Venezianismen entstehen auf diese Weise, die auch heute noch in unserem Alltag eine unbewusste, nicht zu unterschätzende Rolle spielen.
Nach der Führung ließen es sich die erstaunten Jugendlichen denn auch nicht nehmen, noch mal für sich allein durch die Ausstellung zu gehen und fasziniert „nachzusehen“, auf die Details zu schauen und die Bilder noch einmal im Gesamten auf sich wirken zu lassen.
Gegen 12.30 Uhr fand in der benachbarten Remise nach einer Vorauswahl das gemeinsame Mittagessen und gemütliche Beisammensein für alle Beteiligten statt. Dieser besondere Ort war zugleich Raum für gemeinsame Gespräche, in denen die Auszubildenden ihre soeben gewonnenen Eindrücke austauschen und nochmals reflektieren konnten. Zum anderen ergaben sich aber auch nette und interessante persönliche Gespräche, durch die sich alle noch besser kennen lernen konnten. Um 14.00 Uhr klang dann die Veranstaltung aus, und die Auszubildenden traten ihre Heimfahrten an.
Durch das Programm des Kulturtags sollten die Auszubildenden aufgeschlossener werden, sich bewusst Inhalten zuzuwenden, die über die Bewältigung ihrer täglichen Alltagsstruktur hinausgehen und damit auch neue Horizonte und Interessenlagen für sie eröffnen können. Ihre Neugierde sollte angeregt werden, sich neuen Zusammenhängen und Themen zuzuwenden.
Auch die Auszubildende Regina Martaller genoss das Mittagessen und die Gespräche in der Remise. Mit dem Besuch des Restaurants sollten die Teilnehmer ihre bisherigen Kulturtechniken und auch Essensverhaltensweisen erweitern. Sie sollten Zutrauen gewinnen, zu gegebenen Anlässen eine angemessene Örtlichkeit zu wählen, in der eine sinnvolle Gesprächsführung möglich ist.
In der Nachwirkung ist zu erkennen, dass die Auszubildenden den Kulturtag als besonderes Ereignis für sich wahrgenommen haben, das ihnen gedanklich nachgeht und über welches sie an den verschiedenen Orten ihrer Ausbildung und in ihrem privaten Kreis positiv erzählen.
Und: Agiert nicht sogar Mercedes in seiner Werbung für das neue Sport-Cabrio mit dem Venezianismus „Venedig“!?
