Kolping

„Wir können viel, wenn wir nur nachhaltig wollen“

Dieses Zitat von Adolph Kolping, das der stellvertretende Bürgermeister der Stadt Brakel, Johannes Krömeke, in seinen Eingangsworten anbrachte, wirkte wie eine Zusammenfassung dessen, was die Kooperative Reha-Ausbildung des Kolping Berufsförderungszentrums Paderborn/Höxter in Verbindung mit der Agentur für Arbeit seit Jahren erfolgreich praktiziert: Eine fundierte und passgenaue Ausbildung für Jugendliche mit besonderem Förderbedarf.

Beim bereits 6. Frühschoppengespräch, das dieses Mal im Hotel Kaiserbrunnen in Brakel durchgeführt wurde, trafen sich die Akteure der Kooperativen Reha-Ausbildung des Kolping-Berufsförderungszentrums Paderborn/Höxter zum gemeinsamen Erfahrungsaustausch. Unter dem Thema „Was erwarten/erwartet die Ausbildungsbetriebe“ wurde beleuchtet, welche Chancen die Kooperative Reha-Ausbildung auch zukünftig und vor dem Hintergrund eines drohenden Fachkräftemangels hat. Hildegard Lessmann (Ausbilderin am Seniorenzentrum St. Johannes Baptist in Warburg), Dieter Rempe (Reha-Teamleiter der Agentur für Arbeit Paderborn) und Josef Peitz (Lehrgangsleiter der Reha-Ausbildung des Kolping BFZ) erörterten in einer Podiumsdiskussion, ob nicht die Betriebe dann sogar vermehrt auf Jugendliche mit Beeinträchtigungen zurückgreifen müssen. „Haben Sie Mut, die kooperative Reha-Ausbildung zu versuchen“, gab Peitz den Anwesenden mit auf den Weg, „denn wir geben in unserer täglichen Arbeit den Mut an die Auszubildenden weiter“.

2011 Frühschoppengespräch

Ein funktionierendes Netzwerk aus allen beteiligten stellt dabei die Grundlage des Erfolges dieser Form der Ausbildung dar. So zieht das Kolping BFZ gemeinsam die Fäden mit der Agentur für Arbeit, die die Ausbildung auch finanziert, mit den Kammern und den Betrieben, aber auch den Berufsschulen, die die Ausbildung begleiten sowie den Förderschulen, aus denen die Jugendlichen größtenteils kommen. Nicht vergessen werden dürfen dabei die Politik, die die Weichen für diese Form der Ausbildung stellt, aber auch etliche andere Verbände und Einrichtungen, die die Jugendlichen gerade in schwierigeren Phasen der Ausbildung begleiten. „Ein guter Draht zueinander ist eine wichtige Voraussetzung für eine erfolgreiche Ausbildung“, befand Johannes Krömecke.

 

Im Rahmen der Veranstaltung stellten zwei Auszubildende Projekte vor, an denen sie im vergangenen Ausbildungsjahr teilgenommen haben. Der Auszubildende zum Verkaufshelfer, Dennis Schwarzbeck (Minipreis Paderborn), berichtete vom Zirkusprojekt ZappZarap, bei dem unter dem Motto „Kannst du nicht war gestern“ die Jugendlichen selbst in die Rolle der Artisten schlüpften und ein begeisterndes Zirkusprogramm auf die Beine stellten, das auch bei den Zuschauern einen bleibenden Eindruck hinterließ. „Das Projekt hat sich auf jeden Fall gelohnt, wir haben unheimlich viel gelernt und es hat einen Riesenspaß gemacht“, so der junge Auszubildende.

Über das europäische Austauschprogramm EUMIR berichtete die Auszubildende zur Bäckerei-Fachverkäuferin, Vildan Genc (Bäckerei Goeken backen, Steinheim), an dem sechs junge Auszubildende des BFZ Paderborn/Höxter im Oktober vergangenen Jahres teilnahmen und zwei Wochen lang Einblick in die Arbeitswelt in einem anderen europäischen Land nehmen durften. In Graz /Österreich wurden sie in verschiedenen Betrieben eingesetzt und haben, so Genc „eine schöne Zeit in einem anderen Land verbracht und wichtige Erfahrungen gemacht. Wir haben sehr viel Unterstützung in den Betrieben vor Ort erfahren“.

 Die Podiumsdiskussion, souverän vom Leiter des Berufsförderungszentrums Paderborn/Höxter, Paul Krane-Naumann moderiert, brachte sehr viele interessante, aber auch kontroverse Beiträge hervor. Herr Falke vom Berufskolleg Brakel wollte wissen, „ob Jugendliche aus einer geförderten Ausbildung durch die Betreuung und Begleitung gegenüber Jugendlichen aus herkömmlichen Ausbildungsverhältnissen im Vorteil sind“. Ausbildungsbegleiter Ulrich Kell (Kolping BFZ) sagte daraufhin, dass „nahezu alle Ausbilder und Ausbildungsbegleiter bestrebt sind, die Jugendlichen der Kooperativen Reha-Ausbildung wie ganz normale Auszubildende zu behandeln“. Herr Ploch, ein interessierter Bäckermeister, erkundigte sich, „mit Betrieben welcher Größe denn die Kooperation durchgeführt würde“. „Die Kooperative Reha-Ausbildung spricht sowohl größere, mittlere als auch kleinere Betriebe an“, gab Lehrgangs-verantwortlicher Peitz zu verstehen. Aber auch kritischere Töne fielen,. „Der Ausbildungsrahmenplan ist die Grundlage der Ausbildung. Allerdings ist dieser seit etlichen Jahren unverändert und zielt so kaum noch auf die aktuellen Anforderungen ab“, zielte Tischlermeister Christoph Erhardt in Richtung der Kammern. Jutta Wulf (Kolping BFZ Paderborn) stellte allerdings heraus, dass „die Kooperative Reha-Ausbildung unabhängig von Rahmenplänen immer eine individuelle Ausbildung“ sei.

Letztlich gelang es in gemütlicher Atmosphäre, alle Beteiligten ausgiebig zu informieren, ihnen aber auch durchaus konstruktive Denkanstöße mit auf den Weg zu geben, um die Ausbildung Jugendlicher mit Beeinträchtigungen in Zukunft noch effektiver weiterhin erfolgreich zu gestalten.

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